Psychologie heute zeitschraft als quelle
Psychologie heute ist die Mutter aller Mindstyle-Magazine, und die Kinder erreichen Mamas Bildungsstand nicht. Die Ausgabe ist sachte-prägnant gestaltet. Sie ist, könnte man denken, stolz auf das kollektiv Erreichte, unbändige Freude sieht aber anders aus. Gleichzeitig lenkt ihr knallroter Pullover von ihrem filtriert-strahlenden Gesicht ab. Der locker sitzende Pulli und auch die durch Kopfsenkung unsichtbaren Augäpfel könnten, wenn ich denn nun unbedingt küchenpsychologisch etwas hineininterpretieren soll, dazu dienen, etwas zu verbergen.
Einerseits die Figur, weil die ja auch unerheblich ist, es geht hier um Innerlichkeit und bestenfalls Verhalten. Beim Covermodel der Das gelingt freilich nur bedingt, denn anders als ein Psychoanalytiker können wir den Gegenstand unseres Interesses galant aufschlagen und einfach Seite für Seite durchlesen. Auf Seite 70 hat sie übrigens die Augen offen. Zehn Faktoide aus wissenschaftlichen Studien sind jeweils zumindest akademikerpartytauglich auf ihre Kernaussagen heruntergebrochen.
Verwunderlich ist, dass weitere zehn Studien-Zusammenfassungen ähnlichen Zuschnitts in der Mitte des Heftes auftauchen. In diesen Kleinformaten fällt auf: Der Fremdwortgebrauch ist nicht hemmungslos, aber fast zu entspannt. Danach folgt nicht etwa die Titelgeschichte, sondern eine Seite mit wissenswerten Versatzstücken zum Musikkonsum. Nach der ersten von insgesamt drei Kolumnen im Heft — einer Doppelseite voll Patientenschicksal aus der Praxis der Therapeutin Margarethe Schindler — folgt endlich die Titelgeschichte.
Auf sieben Seiten seziert Heiko Ernst das Phänomen des kontrafaktischen Denkens , also des Nachsinnens, was denn wohl gewesen wäre, hätte man in seinem Leben hie und da andere Entscheidungen getroffen. Er skizziert die üblichen Pfade dieser Grübelei und liefert gedankliche Auswege.
Psychologie Heute
Flankierend liefert Eva Tenzer zum Thema einen konstruktiven Vorschlag: die skizzenhafte Lebensplanung. Es geht um Selbstreflexion. Denn: Nicht jeder kommt immer gleich auf den Punkt, wenn sie oder er sich mit einer Yogamatte oder einem Ohrensessel und vielleicht Musik, aber ansonsten ungestützt, in ein Zimmer setzt und über ihr oder sein Leben meditieren möchte.
In der aktuellen Ausgabe geht es neben dem vermeintlich Verpassten in der Lebensplanung auch um vermeintlichen Bewertungswahn und Konfliktfähigkeit. Wer dazu keine Meinung oder betroffene Verwandtschaft hat, kann eventuell mit gesundem Altern, Hobby-Schriftstellerei und dem vermeintlichen Verrohen gesellschaftlicher Umgangsformen etwas anfangen. Roh sind die schriftsetzerischen Sitten hier übrigens auf keinen Fall.
Psychologie Heute: Psychologie Heute
Die Seitengestaltung springt ohne erkennbares Muster zwischen Drei- und Zweispaltigkeit, was aber eher auflockert und nicht unangenehm auffällt. Die Typografie auf den Normseiten gefällt durch einen stimmigen Rhythmus aus der Serifen Überschrift, Miller Display Bold , die den Blick zuverlässig einfängt. Die zaghafte Unterüberschrift aus einer serifenlosen Gotham Book hält sich bis zum konkreten Hinschauen zurück.
Die Typografie strukturiert meist zuverlässig.
Psychologie Heute – Wikipedia
Die Brotschrift , die verbreitete Minion Regular, ist schön luftig und gut lesbar. Zwischenüberschriften und Interviewfragen sind in Gotham Bold gesetzt und bieten einen guten Kontrast und damit auch Seiteneinteilung in textlastigen Bereichen — dort, wo sie eingesetzt werden. Auf der Doppelseite etwa dominiert der Brottext bis zur Bleiwüstigkeit. Viel Text, wenig Struktur — das ist aber eher selten.
Von Seiten plus Umschlag sind insgesamt rund 25 Seiten mit Anzeigen gefüllt. Im hinteren Teil des Heftes , nach einem brainstormigen Interview mit dem Erkenntnisphilosophen Markus Gabriel , folgt ein Dossier zum Chefredakteurin Ursula Nuber knüpft die Historie des Blattes an die Etablierung des Fachs. Das ist an dieser Stelle schade, die Meinung eines Uniprofessors zu jener Vermittlungsinstanz, gern auch in ihrer Rollenveränderung über die Jahre, wäre interessant gewesen.
Dafür liegt ein Gimmick bei: Vier Postkarten mit in ihrer Originalität durchaus fortgeschrittenen Sprüchen, die natürlich O-Töne von Gesprächspartnern sind. Sie stammen aus den Jahrgängen , und der Zeitschrift:. Wenn sie keine Schuld trifft, dann sollten sie auch nicht die Verantwortung übernehmen. Elf Seiten mit Literaturbesprechungen runden den redaktionellen Teil ab. Einfach, aber originell bebildert ist die Strecke mit einem Stapel der in der Folge besprochenen Bücher.
Spätestens hier gleitet der interessierte Leser ohnehin zu einer themenvertiefenden Google -Suche, einer Buchbestellung oder einer thematisch passenden E-Mail an einen Bekannten ab. Originell bebildert. Das oben angesprochene Titel-Model ist übrigens untypisch in ihrer mangelnden Augen-Zeigefreudigkeit: Von den Titelseiten im kompletten Jahrgang blicken mehr oder weniger selbstwirksam posierende Damen zwischen 30 und 40, nie Männer.
Blattkritik: Dirk Stascheit über “Psychologie heute”.
Da guckt sie, Vordergrund, wie Artemis nach dem erfolgreichen Jagdausflug, während der Bock, Hintergrund, zerknirscht die Augen hinter seiner Hand verbirgt. Männer kommen auch vor: Unten rechts. Alle bisher erschienen Blattkritiken finden Sie unter turi2. News edition Themenwochen Köpfe Jobs Termine podcast werben bei turi2. Sie stammen aus den Jahrgängen , und der Zeitschrift: — Selbstbeherrschung funktioniert am besten, wenn man schwierige Situationen in leichtere, weniger frustrierende umwandeln kann.