Psychologie gegenkonditionierung

Theoretische Grundlagen 2. Die klassische Konditionierung 2.

Lerntheoretische und verhaltenstherapeutische Konzepte

Die Furchtkonditionierung 2. Die Psychotherapie 2. Die Verhaltenstherapie 2. Die Gegenkonditionierung 2. Die systematische Desensibilisierung. Lerntheorien spielen in der Verhaltenstherapie eine zentrale Rolle, da jede Änderung und Erweiterung des Verhaltens als Lernprozess angesehen werden kann. Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit genau diesem Aspekt der lerntheoretischen Konzepte, anhand der klassischen Konditionierung im Hinblick auf die Furchtkonditionierung und der systematischen Desensibilisierung, eine Therapieform aus dem Bereich der Verhaltenstherapie, auseinander.

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es darzustellen, welchen Einfluss die Lernpsychologie, am Beispiel der Klassischen Konditionierung, auf die Entwicklung von verhaltenstherapeutischen Ansätzen hat. Zunächst werden in Kapitel 2 grundlegende Begriffe, sowie die Lerntheorie der klassischen Konditionierung genauer erläutert. Die vorliegende Arbeit endet mit einem kurzen Fazit, welches sich mit einigen Aspekten der klassischen Konditionierung, speziell die der Furchtkonditionierung, als auch die der systematischen Desensibilisierung befasst.

Die klassische Konditionierung ist eine von dem russischen Physiologen Ivan Petrowitsch Pavlov begründete Grundform des Lernens und stellt die Grundlage für den Behaviorismus, eine Perspektive der Psychologie vgl. Während es Pavlov in seiner physiologischen Forschung der Verdauungstätigkeit des Hundes nur darum ging, den reflexartigen Speichelfluss zu messen, indem der Hund gefüttert wird, stellte sich jedoch heraus, dass der Speichelfluss beim Hund bereits nach einigen Versuchsdurchläufen auftrat, sobald die Forscher den Raum nur betreten haben vgl.

Es ist also festzustellen, dass die Darbietung eines Stimulus, wie im Beispiel Pavlovs, das Betreten des Raumes durch die Forscher, dem Hund eine gewisse Information liefert. Diese Information ist in diesem Fall das Verabreichen des Futters. Der Hund hat sich hierbei eine neue Assoziation Verknüpfung zwischen den beiden dargebotenen Stimuli angeeignet, weshalb die klassische Konditionierung sowohl als das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern als auch als das Lernen von Assoziationen assoziatives Lernen verstanden werden kann vgl.

Dörfler et al. Im Prozess der klassischen Konditionierung wird ein unkonditionierter Reiz unconditioned stimulus , US , welcher eine unkonditionierte, immer angeborene Reaktion unconditioned response, UR auslöst, in Verbindung mit einem bislang, neutralen Reiz gesetzt, welcher keine konditionierte Reaktion zur Folge hat. Bestimmte Faktoren, wie der zeitliche Zusammenhang Reiz-Reaktions-Kontingenz zwischen den beiden dargebotenen Stimuli, können bei Organismen die Assoziationsstärke und den Lerneffekt deutlich beeinflussen vgl.

Somit sorgen manche Formen der klassischen Konditionierung, wie zum Beispiel die verzögerte Konditionierung, bei der eine geringe Verzögerung zwischen der Präsentation der beiden Stimuli vorliegt sehr geringe Reiz-Reaktions-Kontiguität , für einen hohen Lerneffekt. Die Assoziation wurde somit nach bereits wenigen Darbietungen und Paarungen hergestellt vgl.

Auch die Vorhersagbarkeit, dass das Auftreten des konditionierten Stimulus eine Prognose über den unkonditionierten Stimulus treffen kann ist für den Organismus, sowie dem Lerneffekt von hoher Wichtigkeit. Diese kann durch die Kontingenz des Auftretens des CS und US beeinflusst werden, da diese die wenn-dann P CS US und die nur-dann P US nicht CS Beziehung der beiden Stimuli beschreibt vgl.

John Broadus Watson und Rosalie Roberta Rayner nutzten das Wissen der klassischen Konditionierung, das Lernen von Reiz-Reaktions-Mustern, und wollten diese speziell an der Erlernbarkeit von Angstreaktionen belegen. Watson und Rayner wollten nachweisen, dass emotionale Reaktionen, am Beispiel der Furcht, ebenfalls auf Lernprozesse der klassischen Konditionierung zurückzuführen und somit erlernbar sind.

Dies untersuchten sie in ihrer Studie zur Furchtkonditionierung Watson und Rayner, mit einem elf Monate alten Baby, dem kleinen Albert, indem sie ihm eine negative emotionale Reaktion, die Furcht vor einer Ratte antrainierten, welche bei Albert jedoch bisher immer eine positive emotionale Reaktion ausgelöst hat vgl. Genau wie bei der ihr zugrunde liegenden klassischen Konditionierung wird bei der Furchtkonditionierung ebenfalls ein affektiver, neutraler Stimulus Ratte mit einem US lauter Ton durch Schlag mit einem Hammer auf eine Eisenstange gepaart.

Baumann, , S. Bereits nach wenigen Darbietungen der Ratte NS , gefolgt von dem Schlag mit dem Hammer auf eine Eisenstange US , welche sich unmittelbar hinter dem kleinen Albert befand, verlernte der kleine Albert die positive Reaktion auf die dargebotene Ratte jetzt CR sehr schnell und reagierte emotional sehr negativ CR. Dies tat er durch die Abwendung Wegdrehen, Krabbeln von der Ratte bis hin zum Weinen vgl.

Dieses Phänomen nennt man die Reizgeneralisierung, wobei eine gleiche oder ähnliche Reaktion auf ähnliche Reize, wie dem erlernten Reiz erfolgt. Dementsprechend zeigte der kleine Albert keine ähnliche Reaktion, wie zum Beispiel bei der Präsentation von Spielzeug, da dieses keine Ähnlichkeit zur Ratte hat und somit einen sehr niedrigen Generalisierungsgradient im Vergleich zu pelzigen Objekten aufweist vgl.

Watsons Studie und die neue emotionale Reaktion des kleinen Alberts konnten somit nachweisen, dass emotionale Reaktionen ebenfalls auf Lernprozesse der klassischen Konditionierung zurückzuführen und somit erlernbar sind. Durch die Erkenntnisse aus Watsons Studie, stellten sich viele Forscher die Frage, ob man unsere schlimmsten Empfindungen, sprich Ängste nicht auch mit den Lernprozessen der klassischen Konditionierung, durch Löschungsvorgänge oder sogar der Umkonditionierung behandeln könnte.

In der Psychologie werden die heute angewandten Therapien, welche unterschiedliche Ziele verfolgen und unterschiedliche Techniken anwenden, in zwei Hauptkategorien eingeteilt. Die Psychotherapien Psychologische Therapien kann man als Behandlungsformen von geistig-seelisch bedingter, dysfunktionaler Zustände und Leiden eines Patienten verstehen.

Auch die Psychotherapien lassen sich in vier Hauptströmungen unterteilen, womit die psychodynamischen, die verhaltenstherapeutischen, die kognitiven und die existenzialistischen Therapien gemeint sind, wobei nur die Verhaltenstherapie die Verhaltensstörungen eines Patienten als erlerntes Verhalten betrachtet vgl. Myers et al. Die Verhaltenstherapie beinhaltet zahlreiche Behandlungsverfahren und geht davon aus, dass störende und problematische Verhaltensweisen Phobien, sexuelle Störungen , auf Lernprozesse zurückzuführen sind und selbst als Problem zu betrachten sind.

Die Verfahren werden in die Verfahrenskategorie der Beseitigungsverfahren eingestuft vgl. Die Grundannahmen der Verhaltenstherapie lassen sich auf Pavlov und der klassischen Konditionierung, sowie ebenfalls auf Watson und der Furchtkonditionierung zurückführen, da nachgewiesen werden konnte, dass viele Verhaltensweisen und Emotionen am Beispiel der Furcht durch die klassische Konditionierung erlernt werden.

Nach den Erkenntnissen aus Watsons Studie stellten sich viele Forscher die Frage, ob man erlernte Verhaltensweisen nicht mit neuen Lernprozessen neukonditionieren, beziehungsweise umkonditionieren könnte. Der Lerntheoretiker O. Mowrer war von dieser Theorie überzeugt und macht somit den Auftakt der Gegenkonditionierung impliziert die systematische Desensibilisierung , einer Therapiemethode aus dem Bereich der Verhaltenstherapie vgl.

Die Gegenkonditionierung gilt als Paradebeispiel, wenn man die Methoden der klassischen Konditionierung in den Kontext der Psychotherapie, in diesem Fall die Kategorie der Verhaltenstherapien setzen möchte. Begründet wurde die Gegenkonditionierung durch den Lerntheoretiker und Psychologen Orval Hobart Mowrer - , durch die Forschung und Entwicklung an einer erfolgreichen Konditionierungstherapie, beziehungsweise Verhaltenstherapie für Bettnässer.

In seiner Studie wurde eine neue Konditionierung vom Bettnässen und geweckt werden antrainiert, indem ein Alarm ausgelöst wurde, sobald Harn auf das Bettkissen des Probanden gelang. Nach einigen Nächten erwies sich diese Methode als wirksam vgl. In der Gegenkonditionierung wird somit ein erworbenes Problemverhalten A Bettnässen mit einem mit diesem Verhalten unvereinbaren neuen Verhalten B Geweckt werden und Aufstehen an denselben konditionierten Stimulus, beziehungsweise dem selben kontextuellem Situationsmerkmal gekoppelt.

Das neue erlernte Verhalten B wird in der Gegenkonditionierung nicht nur als eine Reaktion in genau diesem Kontext Schlafen im Bett erlernt, sondern es kommt zeitgleich zur Extinktion des Verhaltens B, weshalb des Bettnässen ganz gelöscht und somit verlernt wurde vgl. Jones belegte mit ihrer Forschung, dass auch die Furcht vor einem Tier, welche wie bei dem kleinen Albert in Watsons Studie erlernt wurde, durch die stufenweise ablaufende Konditionierung aufgehoben werden kann.

Diese Art der Verhaltenstherapie ist die gestufte Reizkonfrontation vgl. Man unterscheidet in der Gegenkonditionierung zwischen zwei Techniken der Behandlung.

Gegenkonditionierung

Die andere Technik der Gegenkonditionierung ist die Aversionskonditionierung, dessen Ziel es wiederum ist, die positive Reaktion auf einen schädlichen Reiz Nikotin, Drogen, Alkohol , durch eine negative Reaktion zu ersetzen, weshalb die Aversionskonditionierung den Gegensatz zur systematischen Desensibilisierung darstellt, da hier die Vermeidung konditioniert wird und nicht die Vermeidung verlernt werden soll vgl.

Der Psychiater und Psychotherapeut Joseph Wolpe — war der Begründer des Verfahrens der systematischen Desensibilisierung, ebenfalls einer verhaltenstherapeutische Methode zum stufenweisen Abbau von pathologischen Ängsten. Die systematische Desensibilisierung lässt sich auf die beschriebenen Arbeiten zur Gegenkonditionierung Jones, zurückführen, nur dass Wolpe den Aspekt der Entspannung Muskelrelaxation hinzunahm vgl.

Margraf, , S. Wolpe erstellte zusammen mit seinen Patienten, mittels einer Verhaltensanalyse, eine Angsthierarchie, wobei die Hauptangst, der Auslöser des höchsten subjektiven Erregungsgrades, die Spitze der Pyramide stellt vgl. Die Therapiemethode der systematischen Desensibilisierung ist die erste, auf Lerntheorien basierende Behandlung von Angststörungen und besteht nun darin, die Hierarchie der angstauslösenden Reizen von unten nach oben abzubauen, indem der Patient, sich eine zur Phobie eher harmlose Situation bei Flugangst ein Flugzeug vorstellt.

* Gegenkonditionierung (Psychologie): Definition: Lexikon & Enzyklopädie

Durch die multiple und stufenweise stattfindenden Konfrontation bis zur Spitze der Hierarchie mit den angstauslösenden Reizen, soll der Patient nun auf die Angstreaktion habituiert, also desensibilisiert werden vgl. Margraf, ; Myers et al. Die Entspannung der PMR setzt ein, sobald der Patient in der Vorstellung seines angstauslösenden Reizes Angst bekommt vgl.

Kritisieren lässt sich an der systematischen Desensibilisierung, dass durch das Verfahren, welches in der Regel sechs bis zwölf Sitzungen umfasst, gekoppelt mit der PMR, zwar die Angsthierarchie stufenweise abgearbeitet wird, jedoch ist der Patient dann nicht zwingend von seiner Phobie geheilt. Der Patient hat lediglich durch die Umkonditionierung von der Angst zur Entspannung gelernt, besser mit diesen angstauslösenden Situationen umgehen zu können vgl.

Die systematische Desensibilisierung ist die erste auf lerntheoretische Konzepte basierende Verhaltenstherapie zur Behandlung von Phobien und wurde erst durch die Entwicklung der Verhaltenstherapie, beziehungsweise deren Therapien zur Gegekonditionierung, erarbeitet. Die klassische Konditionierung und die systematische Desensibilisierung in der Psychotherapie Akademische Arbeit, 12 Seiten.

Tobias Schoeneis Autor:in. Format: PDF — für PC, Kindle, Tablet, Handy ohne DRM. In den Warenkorb.