Psychologie erwachsene reden wie kinder
Was macht der Wauwau? Der geht daaaaa. Jetzt ist er weg, der Wauwau. Für Erwachsene mag diese kleine Konversation albern klingen. Doch für die Sprachentwicklung ihres Kindes hat die Frau etwas sehr Gutes getan. Die Linguistin leitet das Babysprachlabor der Universität Konstanz und forscht dort zu der sogenannten kindgerichteten Sprache.
Um herauszufinden, welche Laute ein kleiner Mensch faszinierend findet, haben die Forscher des Babysprachlabors eine Art Tonstudio eingerichtet. An den Untersuchungen zu einer veröffentlichten Studie nahmen Säuglinge im Alter zwischen sechs und neun Monaten teil. Die Aufnahmen wurden zufällig von rechts oder von links eingespielt, zusammen mit einem rot blinkenden Licht.
Da Babys und Kleinkinder noch nicht sagen können, was sie wahrnehmen und denken, beobachteten die Forschenden ihre Reaktionen genau. Im Experiment zur Infant Directed Speech achteten sie auf Folgendes: Solange das Kind Interesse hatte an dem, was es hörte, wendete es seinen Kopf in die Richtung der Geräuschquelle.
Verlor es das Interesse, blickte es nach vorne. Braun und ihre Kollegen stoppten, wie lange das Baby auf das blinkende Licht schaute. Daraus leiteten sie ab, wie aufmerksam es den verschiedenen Sprechweisen lauschte. Die Wissenschaftler testeten mehr als Babys. Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, spielten sie den Kleinen stets dieselben Sprachszenen vor — egal, ob die Kinder in Nordamerika, Europa, Asien oder Australien zu Hause waren.
Zu hören bekamen sie jeweils einen Mix aus amerikanisch-englischen Gesprächsfetzen, die sich mal an Kinder, mal an Erwachsene richteten. Die Studie aus 16 Ländern hat bestätigt, was Generationen von Entwicklungspsychologen schon lange vermuten: Kleine Kinder folgen dem Gesagten aufmerksamer, wenn sie es in Babysprache hören.
Im internationalen Durchschnitt bevorzugten knapp 60 Prozent der Kinder die an sie gerichtete Sprechweise. Diese zeichnet sich nicht nur durch ihr vereinfachtes Vokabular und kurze Sätze aus. Dass Eltern rund um den Globus ihre Sprache dem kindlichen Hören anpassen, fiel dem US-amerikanischen Sprachwissenschaftler Charles Ferguson als einem der Ersten auf.
Doch es gibt auch Kulturen, in denen Babysprache so gut wie gar nicht existiert. Auf der Insel Java, in Teilen von Guatemala oder West-Samoa sprechen Eltern beispielsweise kaum mit ihren Babys.
Wir müssen reden: und zwar richtig!: SZ Magazin
In diesen Kulturen lernen Säuglinge und Kleinkinder das Sprechen vor allem durch die Beobachtung der Erwachsenen. Babysprache mag also nicht universell sein. In unserer westlichen Welt ist sie jedoch Standard. Sonderpublikation in Zusammenarbeit mit der Baden-Württemberg Stiftung Jetzt ist morgen Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten. Sicherer Server.
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Schon im Mutterleib werden Babys für Rhythmus und Melodie ihrer Muttersprache sensibilisiert. Wenige Monate nach der Geburt beginnen Babys zu brabbeln. Sprachwissenschaftler und Entwicklungspsychologen erforschen, wie Kinder sprechen lernen und was dabei in ihrem Gehirn geschieht. Offenbar finden schon im Säuglingsalter komplexe Prozesse statt.
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