Geburtstrauma psychologie

Endlich schwanger!

Traumatische Geburt

Man freut sich auf den Tag, an dem man sein Baby in den Armen halten kann. Eine Geburt kann das schönste Erlebnis sein — aber auch schwerwiegende Folgen haben. Und manchmal kann die Folge sogar ein Geburtstrauma sein. Das trifft etwa Das Schlimme: Heute erleben deutlich mehr Frauen die Geburt als traumatisch als das noch vor 30 Jahren der Fall war.

Was ist ein Geburtstrauma und wie unterscheidet es sich zur postnatalen Depression? Was können Betroffene tun, um das Trauma zu überwinden? Der Grat zwischen einem normalen Leidensdruck bei und nach der Geburt, einer postnatalen Depression und einem Trauma ist schmal. Sie tritt bei 80 Prozent aller Frauen auf und steht im Zusammenhang mit dem Stillen. Doch warum? Nach der Geburt sinken der Östrogen- und Progesteronspiegel, dafür erhöht sich das Prolaktin für die Michbildung.

Dieser hormonelle Wechsel führt zu Stimmungsschwankungen und eben oft Traurigkeit. In der Regel hält dieser Zustand aber bis zu höchstens sieben Tagen an. Meist lässt er schon schnell wieder nach, wenn man zurück in der gewohnten Umgebung ist. Ist aber nach einem Monat nach der Geburt noch keine Besserung eingetreten, spricht man von einer postnatalen Depression, früher auch als Wochenbettdepression bekannt.

Sie kann in den ersten Wochen nach der Geburt auftreten und bis zu 24 Monate anhalten. Die postnatale Depression betrifft zehn bis 20 Prozent der Mütter, die Dunkelziffer ist aber vermutlich viel höher. Denn zahlreiche Frauen versuchen dieses Problem zu verbergen, weil sie sich fälschlicherweise dafür schämen. Symptome einer postnatalen Depression können sein: Traurigkeit, Empfindsamkeit, Erschöpfung, Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Angst und das Gefühl, isoliert zu sein.

In ganz schlimmen Fällen kann es sogar zu Suizidgedanken kommen, die Sie schnell behandeln lassen sollten. Die Ursache für die postnatale Depression ist leider noch nicht erforscht, man vermutet aber, dass es sich um eine genetische Disposition handelt in Verbindung mit der Hormonumstellung. Wer ganz genau wissen will, ob er an einer postnatalen Depression leidet, kann einen Selbsttest machen.

Besser ist es aber, diese Diagnose beim Arzt absichern zu lassen. Besonders wichtig: Eine postnatale Depression muss unbedingt behandelt werden. Ein Trauma bezeichnet eine Extrembelastung durch Stress und Hektik bei der Geburt, Gewalteinwirkung oder einen hoffnungsvollen Wechsel zwischen Überlebenserwartung und drohendem Tod. Dabei spielen körperliche und psychische Leiden eine Rolle.

Nicht immer ist das Trauma gleich bemerkbar. Und leider wird auch heute noch eine Traumatisierung durch die Geburt oft verschwiegen. Weil Geburtshelfer eventuell nicht darauf achten, die Mutter noch zu schwach ist oder es nicht wahrhaben möchte. Aber nicht jede schwierige Geburt zieht automatisch ein Trauma nach sich. Ist es dann doch so, kann das Trauma Mutter und Kind betreffen.

Dabei sollte man aber nicht gleich in Angst und Panik verfallen. Manche Verhaltensauffälligkeiten beim Baby können auch harmlose körperliche Ursachen haben. Die kann der Kinderarzt dann schnell behandeln. Sollte Ihr Kind aber über drei Wochen lang an mindestens drei Tagen in der Woche mehr als drei Stunden schreien und sich das auch nicht durch Nahrung oder körperliche Zuwendung lindern lässt, könnte ein Geburtstrauma die Ursache sein.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten des Geburtstraumas: das psychische und physische. Das physische kann beispielsweise durch den Einsatz einer Saugglocke entstehen, wodurch es zu Asymmetrien im Kopfbereich, Kompressionen an verschiedenen Körperteilen, Gesichtslähmungen und Risse an den Ohren kommen kann. Nicht dazu zählen Schädigungen durch Sauerstoffmangel und Durchblutungsstörungen während der Geburt.

Auch bei geplanten Kaiserschnittgeburten kann es zu physischen Folgen kommen, wenn das Kind mit zu festem Griff und zu schnell aus dem Uterus gezogen wird und so Stauchungen oder Symmetriesierungen des Nackens entstehen. Aber auch, weil bei einem Kaiserschnitt ohne vorausgegangene Wehentätigkeit wichtige Hormone für den Stressabbau nach der Geburt nicht produziert werden.

Dazu das oft hektische und technische Arbeiten der Geburtshelfer. Denn auch hier herrscht absoluter Fachkräftemangel. Auch das kann einen Schock auslösen. Ganz wichtig ist deshalb ein sofortiger Haut-zu-Haut-Kontakt von Mutter und Kind. Der baut ganz schnell Stress ab. Ein spezifisches Anzeichen für ein Geburtstrauma kann auch sein, dass das Schreien in Situationen auftritt, die der Geburt ähnlich sind.

Also bei Enge, Druck, oder dem Gefühl, gequetscht zu werden. Experten gehen davon aus, dass so die Geburtserinnerung wieder hervorgerufen werden kann. Aber auch Situationen, in denen ähnlicher Stress oder Schmerzen auftreten, können Erinnerungen wecken. Ein Viertel aller Frauen erlebt Gewalt unter der Geburt.

Die Gewalt reicht dabei von Einschüchterung oder Beleidigung durch das Fachpersonal bis hin zu einseitigen Informationen bei Eingriffen. Es gibt viele Ursachen, wodurch es zu einem Trauma kommen kann. Manchmal bei Mutter und Kind parallel. Für manche Frauen fühlt sich die Geburt dabei sogar wie eine Vergewaltigung an.

Geburtstrauma durch zurückliegende Traumata: In einigen Fällen löst die Geburt ein Geburtstrauma aus, das auf ein Trauma zurückgeht und jetzt an die Oberfläche geholt wurde, obwohl die Geburt selbst eventuell ohne negative Vorkommnisse verlief. Dies kann z. Bei Opfern von sexuellem Missbrauch der Fall sein.

Das kann bereits für Frauen ohne eine Vorgeschichte mit sexuellem Missbrauch traumatisch sein. Bei Frauen, die jedoch schon einmal Opfer waren, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es durch die Geburt zu einem Geburtstrauma kommt. Wenn man die Geburt konkret mit bestimmten negativen Erlebnissen oder Gefühlen verbindet, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass man ein Geburtstrauma erlitten hat.

Das kann direkt nach der Geburt eintreten, aber auch erst einige Wochen später. Die Symptome können dabei ganz unterschiedlich sein. Viele Frauen können keine positiven Gefühle mehr erleben, fallen in ein tiefes Loch und bauen eine Gleichgültigkeit auf. Das bittere Ende ist eine schlechte oder gar keine Bindung zum eigenen Kind.

Geburtstrauma: Ursachen und Risikofaktoren: Psychologie Heute

Oft erleben sie die schwere Geburt immer wieder nach und können auch nicht darüber sprechen. Dazu können Angststörungen und Depressionen kommen. Weiter Symptome können Flashbacks sein, aber auch Panikattacken, extreme Erschöpfung und Apathie. Dazu kommt dann noch, dass diese Mütter Schwierigkeiten mit der Nähe und Berührung des Kindes haben und sich oft sehr überwinden müssen.

Neben den psychischen Symptomen können aber auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen, erhöhter Puls und chronische Schmerzen auftreten. Vor allem, wenn man sie ins Bett legen will, hört das Schreien gar nicht mehr auf. Nur während des Tragens oder an der mütterlichen Brust schlafen sie dann ein. Das hält dann aber auch nur ein bis zwei Stunden an.

Das Schreien ist dabei ihr Ventil, Stress und Angst loszuwerden. Häufig wird heutzutage beobachtet, dass Kinder, die ein Geburtstrauma hatten, auch später Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen aufweisen. Besonders hohe Defizite haben sie dann in Motorik, Koordination, Konzentration und Lernfähigkeit, aber auch Hyperaktivität und Reizoffenheit können auftreten.

Die Zeit vor der Geburt hat einen erheblichen Anteil daran, wie das Geburtserlebnis verarbeitet wird. Bereiten Sie sich deshalb gut vor. Ein Geburtsvorbereitungskurs und ein -gespräch mit der Hebamme oder Ihrem Gynäkologen ist perfekt. So werden Sie komplett aufgeklärt und wissen auch, dass es immer mal zu Komplikationen kommen kann.

Spricht man erst während der Geburt mit den Eltern darüber, ist das oft schwierig, weil es in einer absoluten Stresssituation stattfindet. Scheuen Sie sich dabei nicht, viele Fragen zu stellen. Denken Sie immer daran: Planung verleiht Sicherheit. Termine zur Besichtigung bietet jedes Krankenhaus an. Total hilfreich für die Geburt ist es, im Vorfeld Entspannungsübungen wie Autogenes Training und Meditation zu erlernen, sich aber auch durch Massagen und Akupunktur Entspannung zu verschaffen.

Auch Osteopathie bei einem Experten kann eine gute Geburtsvorbereitung sein.

Geburtstrauma

Setzen Sie dazu auf Fitness wie Schwangerschaftsyoga oder Gymnastik sowie gezielte Beckenbodenübungen. Und: Lassen Sie sich in dieser Zeit ruhig öfter verwöhnen! Auch das Erlernen von Hypnobirthing kann dazu beitragen, eine Geburt sanfter zu erleben. Hier handelt es sich um eine Methode der Selbsthypnose für eine tiefe Entspannung und die bessere Durchblutung und Entkrampfung der Gebärmutter.

Das Ziel: Den Geburtsverlauf zu verkürzen und die Schmerzen so gering wie möglich zu halten. Diese Methode hat übrigens die Hypnose-Therapeutin Marie F. Mongan bereits in den 80er Jahren in den USA entwickelt. Je entspannter die Zeit danach ist, umso besser gelingt die Kompensation. Wichtig ist dabei vor allem, dass man dem Kind ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe gibt.

Es ist legitim, traurig zu sein, auch wenn Sie gerade ein gesundes Kind bekommen haben. Ein Geburtstrauma hat nämlich nichts mit Überempfindlichkeit zu tun und ist schon gar kein Luxusproblem. Das zu erkennen, kann schon der erste Schritt zur Heilung sein. Geben Sie sich Zeit, damit sich die Seele erholen kann.