Psychologie wenn vater eine schwere krankheit hat

In Ihrem Umfeld ist jemand an Krebs erkrankt: Von dem Augenblick an, als Sie die Diagnose erfahren haben, beeinflusst diese das Leben der ganzen Gemeinschaft — im praktischen Alltag, in den Gedanken und Gefühlen aller Beteiligten. In diesem Text möchten wir Tipps für Angehörige für den Umgang mit Krebspatienten geben. Denn Krebs ist eine Krankheit, die nicht nur den Einzelnen betrifft.

Als Angehörige von Krebspatienten bezeichnen wir Menschen, die sich dem Patienten zugehörig beziehungsweise angehörig fühlen. Das können Partner, Kinder, Geschwister, aber auch Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen sein. Als Bezugsperson sind Sie zum einen gefordert, da Sie helfen möchten. Zum anderen sind Sie selbst körperlich und seelisch von der neuen Situation betroffen.

Es stürmen viele neue und unbekannte Dinge auf Sie ein. Gleichzeitig kommen in Ihnen wahrscheinlich ungewohnte, bisher vielleicht nicht gekannte Gedanken und Gefühle auf. Sie stellen sich die Frage: Was muss mein Verwandter oder Freund bewältigen, und was kommt dabei auf mich zu? Hinweis: Sie sind Angehöriger eines Krebspatienten?

Nehmen Sie in dieser Situation Hilfe an — auch dann, wenn Sie bisher noch nie praktische oder psychologische Unterstützung bekommen haben. Es wird Ihnen selbst guttun und auch dem Krebskranken nützen. Die Diagnose einer Krebserkrankung kommt für die meisten Betroffenen völlig überraschend. Sie wird oft nach Früherkennungsuntersuchungen gestellt. Meist hat sich die Krankheit bis dahin nicht durch eindeutige Symptome bemerkbar gemacht.

Unsere Sprache benutzt für ganz verschiedene bösartige Erkrankungen immer das Wort Krebs. Dabei reicht die Spannweite von weniger bis sehr bedrohlichen Erkrankungsformen. Den Fortschritten in Medizin und Wissenschaft ist es zu verdanken, dass heute die Mehrzahl der Krebskranken geheilt werden kann. Und trotzdem: Bei der Diagnose Krebs reagieren alle davon Betroffenen meist mit Unsicherheit und Angst.

Der Ruf einer Krebserkrankung besteht unter Laien noch immer aus Leiden, Schmerzen und Abschied vom Leben. Hinweis: Dabei verläuft jede Krebserkrankung anders und hat auch unterschiedliche Therapiemöglichkeiten und Heilungsaussichten. Natürlich hat sich jeder schon einmal mit dem Thema Krebs beschäftigt oder davon gehört, wenn es um ferne Angehörige, Kollegen oder Freunde ging.

Aber wenn man selbst durch eine nahe Person betroffen ist — dann geht es an die eigene Substanz. Eben weil sie aber nur die eine Schublade Krebs kennen, haben die meisten Menschen immer wieder das Gefühl, als ob die ganze Welt über ihnen zusammenbricht. Vielen erscheint die neue Situation unüberschaubar.

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Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll, und haben Angst vor der Zukunft. Nachdem sie die Diagnose Krebs erfahren haben, fühlen sich die meisten Betroffenen in den ersten Tagen in der Regel von vielen Informationen überflutet. Meistens stehen sie aber noch so unter Schock, dass sie gar nicht alles aufnehmen können. Dies berichten nicht nur die Erkrankten selbst.

Das gewohnte Leben ändert sich auf einen Schlag. Neben der Angst, einen geliebten Menschen durch diese Krankheit zu verlieren, wird Ihnen als Angehöriger bei einer Krebserkrankung zusätzlich viel abverlangt. Um den eigentlichen Patienten zu schonen, werden Sie mit vielen Fragen konfrontiert und sollen beziehungsweise wollen gleichzeitig trösten und helfen. Daher gehen wir im Folgenden die wichtigsten Schritte im Verlauf durch.

Zunächst werden bei einer Krebserkrankung die Betroffenen eine Reihe von diagnostischen Untersuchungen durchlaufen, die gut geplant werden müssen und gegebenenfalls einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Das ist aus medizinischer Sicht vertretbar, aber der auf das Ergebnis wartende Patient muss gut begleitet werden.

Nachdem die Diagnostik abgeschlossen ist, werden die Experten aus den unterschiedlichen Fachrichtungen wie Chirurgie, Strahlentherapie und innere Medizin gemeinsam in einem Tumorboard besprechen, welche Therapieempfehlung sie aussprechen können. Dabei berücksichtigen sie sowohl aktuelle Leitlinien als auch die persönliche Situation des Kranken. Dann wird dieser zu einem ersten Aufklärungsgespräch eingeladen.

In der Regel wird er aufgefordert, einen Angehörigen mitzubringen, weil vier Ohren mehr hören als zwei. Der Arzt richtet seine Fragen primär an den Kranken selbst. Er hat die Aufgabe, das Informationsbedürfnis des Patienten zu erkennen und seine Aufklärung daran auszurichten. Auch Sie als Angehöriger von Krebspatienten sollten im Blick behalten, wie viel der Kranke für den Moment wissen will und aufnehmen kann.

Tipp: Machen Sie sich gemeinsam vor dem Arztbesuch schon ein paar Notizen, damit Sie in dem Gespräch auch an alles denken. Manchmal ist es im hektischen Krankenhaus- oder Praxisalltag leider so, dass für Gespräche zwischen Arzt, Patient und Angehörigen zu wenig Zeit bleibt. Wenn sich Ihr Arzt nicht genug Zeit nimmt, fragen Sie ihn, wann Sie ein ausführlicheres Gespräch mit ihm führen können.

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Oft ist dies möglich, wenn der Termin zu einer anderen Uhrzeit stattfindet, etwa am Ende der Praxiszeit. Es ist wichtig, dass sich ein vertrauensvolles Patienten-Arzt-Verhältnis entwickelt. Diese sind im Bürgerlichen Gesetzbuch BGB verankert. Lesen Sie mehr zum so genannten Patientenrechtgesetz. Partnerschaftliche Beziehungen leben auch von der Unterschiedlichkeit des Einzelnen.

In vielen Situationen haben Sie das schon umgesetzt. Jeder trifft Entscheidungen auf seine ganz persönliche Weise und hat dafür die jeweils eigenen Motive. Falls sich Ihr erkranktes Familienmitglied eher sehr zurückhaltend zeigt, ermutigen Sie es vorsichtig, Fragen zu stellen, deren Antworten für eine sicherere Therapieentscheidung notwendig sind.

Wichtig: Niemand soll einem Menschen eine andere, wenn auch wohlgemeinte Meinung überstülpen — nicht dem Partner, nicht den Eltern und auch nicht den volljährigen Kindern. Sie müssen dann vielleicht aushalten, dass der Kranke anders entscheidet, als Sie es erwartet hätten und für vernünftig halten.

Bedenken Sie, dass die unmittelbaren Folgen den kranken Menschen selbst treffen. Eine sichere, aus eigenem Antrieb getroffene Entscheidung gibt ihm Selbstvertrauen, Kontrolle und Mut. Gerade in der Anfangszeit treibt den Betroffenen die Frage um: Warum gerade ich? Vielleicht belastet auch Sie die Frage, wie diese Krebserkrankung entstehen konnte.

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Vieles davon ist noch unklar und Ziel von weltweiten Forschungsvorhaben. Ein Zusammenhang zu biographischen Ereignissen und konfliktreichen Lebensumständen konnte nie bestätigt werden. Falls in Ihnen der Gedanke oder das Gefühl entsteht, sich schuldig zu fühlen, dann können wir Sie entlasten. Die meisten Kranken legen diese Frage nach dem Warum im Laufe ihres Krankheitsverlaufes unbeantwortet weg.

Ärzte und therapeutisches Personal richten schnell ihr Augenmerk auf die Angehörigen von Krebspatienten und auf deren Verfügbarkeit. Sie haben daher in der Regel ein offenes Ohr auch für Ihr Befinden. Tipp: Nutzen Sie das erste oder auch ein folgendes Arztgespräch, um zu besprechen, wie sich die einzelnen Therapiemöglichkeiten auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken werden, also auf seinen körperlichen Zustand und sein seelisches Wohlbefinden.

Diese Informationen können Ihnen helfen, die nächste Zeit besser zu planen. Wir empfehlen Ihnen auch, Kontakt zum Kliniksozialdienst aufzunehmen, um frühzeitig sozialrechtliche Informationen zu sammeln und für den weiteren Krankheitsverlauf im Überblick zu behalten. Wahrscheinlich werden Sie immer wieder einmal unsicher sein, wie Sie mit der neuen Situation umgehen sollen und wie Sie dem Kranken am besten helfen können.

Dafür gibt es kein Patentrezept. Das alles braucht vor allem Zeit.

Papa ist schwer krank

Am besten ist es, wenn Sie zusammen mit dem Erkrankten Ihre eigene, ganz persönliche Art der Unterstützung und Anteilnahme finden. Beginnt die Behandlung von Krebs, sind Angehörige sind oft erleichtert: Endlich wird etwas Konkretes gegen die Krankheit unternommen. Stellen Sie sich aber darauf ein, dass diese Zeit auch für Sie sehr schwer sein wird.

Die Klinik, an die der Arzt den Kranken überweist, sollte auf die Diagnostik und Behandlung der Krebserkrankung spezialisiert sein. Dies erfüllen am besten die zahlreichen zertifizierten Krebszentren, die es in Deutschland gibt. In diesen zertifizierten Zentren arbeiten stationäre und ambulante Einrichtungen eng zusammen. In Onkologischen Spitzenzentren behandeln und versorgen Experten aus unterschiedlichen medizinischen und wissenschaftlichen Fachgebieten die Betroffenen fachübergreifend, begleiten sie psychosozial und beraten in interdisziplinären Tumorkonferenzen über jeden einzelnen Fall.

Die onkologischen Spitzenzentren arbeiten eng mit den niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern in der Region zusammen. Im CCC-Netzwerk erarbeiten die Ärzte und Wissenschaftler der einzelnen Zentren neue Standards und Leitlinien für die Versorgung krebskranker Menschen. Auch in den von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Krebszentren arbeiten alle an der Behandlung eines Krebspatienten beteiligten Fachrichtungen zum Beispiel Chirurgen, Radioonkologen, Humangenetiker, Gynäkologen, Pathologen, Experten für die medikamentöse Tumortherapie, Ernährungstherapeuten, Psychoonkologen, onkologische Pflegekräfte, Sozialarbeiter eng zusammen.

Sie planen in speziellen Konferenzen, den interdisziplinären Tumorboards, gemeinsam das Vorgehen für jeden einzelnen Patienten. Eine Liste der zertifizierten Krebszentren finden Sie unter www. Ihr Angehöriger wird also in der ersten Behandlungsphase der Krebserkrankung von einer ganzen Reihe von Ärzten betreut, die Hand in Hand zusammenarbeiten. Dazu kommen das Pflegepersonal, Psychologen, Sozialarbeiter oder Seelsorger.

Wenn Sie möchten, können auch Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufnehmen. Solange der Krebskranke im Krankenhaus liegt, werden Sie ihn sicher oft besuchen wollen. Auch das kann anstrengend für Sie sein, vielleicht, weil Sie einen langen, zeitaufwändigen Anfahrtsweg haben, weil Sie kleine Kinder haben, für die Sie eine Betreuung organisieren müssen, oder weil Sie wichtige Aufgaben des Kranken übernehmen müssen, die nicht aufgeschoben werden können.

Beziehen Sie in Absprache mit Ihrem erkrankten Familienmitglied andere Bezugspersonen bei der Besuchsplanung mit ein, wenn der Aufenthalt im Krankenhaus mehrere Wochen dauert. Zur rein körperlichen kommt die seelische Belastung darüber, was die Zukunft bringen wird. Und dennoch: Solange der Kranke in der Klinik ist, bleibt in Ihren eigenen vier Wänden ein Teil Normalität erhalten.

Nutzen Sie diese, um etwas abzuschalten und aufzutanken. Um einer Krebserkrankung wirkungsvoll zu begegnen, sind meistens mehrere Therapiearten und -schritte notwendig. Tipp: Fahrdienste zu den einzelnen Therapieeinheiten werden in der Regel von den Krankenkassen bezahlt. Moderne Therapieformen wie die Immun- oder Antikörpertherapie werden oft als Tablette verabreicht.

Die Einnahme passiert also zu Hause. Für Sie bedeutet dies, dass Sie Ihren Partner vielleicht hin- und zurückfahren müssen, wenn ein Kontroll- oder Beratungsgespräch stattfindet.