Psychologisches nachsorgeteam einsatzkräfte

Meldungen über gewalttätige Übergriffe auf Einsatzkräfte der Polizei haben seit einigen Jahren in der medialen Berichterstattung zugenommen, es häufen sich aber auch Berichte über Gewalterfahrungen von Rettungskräften in den Medien. Diese werden bei ihren Tätigkeiten behindert oder sind respektlosen bis gewalttätigen Umgangsweisen ausgesetzt. Dieser Entwicklung und deren Ursachen sowie den damit verbundenen Herausforderungen ist der vorliegende Beitrag gewidmet.

Neben einem beobachtbaren Zuwachs der medialen Berichterstattung über Gewalt gegen Rettungskräfte zeichnet sich dieser Anstieg ebenfalls in Befragungen und Statistiken ab. Dies spricht für einen tatsächlichen Zuwachs der Übergriffe und nicht nur für eine wachsende Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit, wobei das Dunkelfeld in diesem Bereich allerdings bislang nicht aufgehellt werden konnte.

Während die Opferwerdung von Einsatzkräften der Polizei jährlich in der Polizeilichen Kriminalstatistik PKS abgelesen werden kann, wurden erst in den letzten Jahren in Deutschland vermehrt Fälle von gewalttätigen Übergriffen gegen Einsatzkräfte der Feuerwehr und von Hilfsorganisationen registriert Dressler a, S. Seit dem Jahr gibt es in der PKS eine eigene Erfassung der Gewalttaten gegenüber Rettungskräften, seitdem nimmt die registrierte Gewalt gegen Rettungskräfte kontinuierlich zu.

Oftmals werden in den offiziellen Statistiken, wie etwa auch in der PKS, jedoch die Tätigkeitsbereiche der Rettungskräfte nicht gesondert aufgeführt, sondern neben den Polizeikräften als andere Einsatzkräfte zusammenfassend subsumiert Sefrin et al. Rau und Leuschner erstellten einen Überblick über die bisherigen Arbeiten in Deutschland, die sich mit Gewalterfahrungen von Rettungskräften befassen.

Sie betrachteten zudem 7 Studien aus den Jahren bis näher Rau und Leuschner , S. Auch verweisen die Autoren darauf, dass in den Retrospektivbefragungen die Häufigkeiten der Gewaltvorfälle nicht konkret angegeben werden konnten S. In allen betrachteten Untersuchungen wurde verbale Gewalt häufiger berichtet als körperliche Gewalt S. Vergleicht man situative Merkmale, wird ersichtlich, dass die Vorfälle von Gewalt sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum vorkamen.

Nach 5 der betrachteten Studien ereigneten sich die Angriffe überwiegend abends oder in der Nacht sowie an Feiertagen und Wochenenden S. Vier Studien kamen zu dem Schluss, dass die Angriffe vermehrt unmittelbar nach dem Eintreffen der Rettungskräfte sowie bei der Diagnosestellung erfolgten. Die Merkmale der tatverdächtigen Personen sind, sofern sie in den Studien erhoben wurden, nach der Übersicht von Rau und Leuschner weitestgehend einheitlich S.

In ca. Die meisten angreifenden Personen waren männlich und in einem Alter von 20 bis 29 Jahren. Häufig spielte eine Alkoholisierung oder eine andere Intoxikation bei den Angriffen eine Rolle. Einige angreifende Personen wiesen einen Migrationshintergrund auf. Wie bereits oben angemerkt, ist die Häufigkeit von verbalen Übergriffen rückblickend über einen bestimmten Zeitraum für die befragten Einsatzkräfte schwierig zu erheben, da sich die meisten Einsatzkräfte nicht genau erinnern können, wie häufig sie etwa mit Beleidigungen konfrontiert wurden S.

Hinsichtlich der physischen Gewalt ergab die Untersuchung, dass leichtere körperliche Angriffe wie etwa Schubsen, Schlagen oder Treten, aber auch schwerwiegendere Tathandlungen wie die Bedrohung und der Angriff mit einer Waffe im Einsatzalltag von Rettungskräften eine Rolle spielen S. Das Dunkelfeld überstieg in den 4 Städten der Untersuchung die offiziellen Hellfelddaten um ein Vielfaches S.

Dies resultiert u. Dressler a sieht für die gering ausgeprägte Anzeigebereitschaft zwei Faktoren als ausschlaggebend an: Erstens führten unklare und relativ aufwendige Meldewege bei einem Übergriff zu einer Hemmschwelle, den Vorfall zu melden S. Dies treffe insbesondere auf Wachen zu, in denen viele Einsätze in einer hohen Taktung vorkommen und dementsprechend wenig Zeit für Formalitäten bleibe.

Zweitens würden die betroffenen Einsatzkräfte nur wenig Vertrauen in die Erfolgsaussichten einer Meldung haben. Die Dunkelziffer fällt umso höher aus, je weniger die betroffenen Rettungskräfte die ihnen widerfahrenen Vorfälle als Gewalt einstufen. Zu diesem Ergebnis kommen 4 Studien in der Übersicht von Rau und Leuschner Rau und Leuschner , S. Weil es zu Gewalt gegen Rettungskräfte in ganz verschiedenen Fallkonstellationen Dressler a, S.

Dabei liegt für die Prävention von gewaltsamen Übergriffen gegen Rettungskräfte auch eine Orientierung an Merkmalen und Umständen nahe, die sich auf die betroffenen Einsatzkräfte, ihr Verhalten und ihre Situation beziehen. Nach der Übersicht von Rau und Leuschner erhoben jedoch nur wenige Studien solche Merkmale, und beim Alter der betroffenen Einsatzkräfte, deren Geschlecht oder deren Berufserfahrungen fanden sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Risikos, angegriffen zu werden Rau und Leuschner , S.

Polizei, Sicherheitsdienst zugeordnet und somit eher zum Ziel von Übergriffen zu werden Redaktion Rettungsdienst Grundlegend muss zwischen geplanten und ungeplanten Übergriffen unterschieden werden. Geplante Handlungen können u. Deeskalationsversuche gelangen jedoch an ihre Grenzen, wenn etwa das Gegenüber der Einsatzkräfte stark alkoholisiert ist und somit eine vernünftige Kommunikation nicht mehr möglich ist S.

Hinsichtlich der Motivation der Taten sind verschiedene Gründe für die Übergriffe denkbar. Einsatzkräfte der Feuerwehr werden aufgrund ihrer Uniformen z. Diese Form der Hasskriminalität wird sowohl durch rechts- als auch durch linksextreme Gruppierungen begangen. Dabei legen die Ergebnisse der Untersuchung von Dressler a nahe, dass die Täter bei den gewaltsamen Übergriffen oftmals nicht zwischen Polizei und Feuerwehr differenzieren S.

Im Jahre führte das Deutsche Rote Kreuz DRK eine Befragung zum Thema Gewalt gegen Rettungskräfte durch, in deren Rahmen Fragebogen ausgewertet wurden. Das Ziel der Untersuchung bestand nicht in der Erfassung der Anzahl von Übergriffen, sondern in der Gewinnung von weitergehenden Informationen wie etwa Situation, Tathandlung über die Übergriffe Sefrin et al.

Sie wurden gebeten, ihre Erfahrungen mit körperlicher Gewalt Verletzung körperlicher Unversehrtheit, Bespucken etc. Hinsichtlich der Häufigkeit der Übergriffe wurde in der Untersuchung deutlich, dass die Gewaltanwendungen mehrmals im Erhebungszeitraum auftraten und es sich nicht um vereinzelte Ereignisse handelte. Meist ereigneten sich die Übergriffe am Abend und in der Nacht Sefrin et al.

Auslöser für die gewalttätigen Aktivitäten waren nicht selten Alkohol oder Drogen. Sefrin et al. Weitere Ursachen der Gewalt gegen Rettungskräfte können nach Sefrin et al. Hinzu kommt, dass die Rettungskräfte oftmals als Teil des Staates eingestuft werden und gleichzeitig die Hemmschwelle, Gewalt anzuwenden, gesunken ist.

Für die betroffenen Rettungskräfte hatten die Übergriffe psychische und körperliche Folgen S. Eine Einsatznachsorge und der Zugang zu niedrigschwelligen Hilfsangeboten sind wichtig, um Folgen der Übergriffe, wie etwa ein posttraumatisches Belastungssyndrom, zu verhindern oder zumindest abzumildern. Kontraproduktive Reaktionen auf die Vorfälle, wie etwa mangelndes Einfühlungsvermögen und das Bagatellisieren durch Dritte, können die Verarbeitung von Gewalterfahrungen erschweren.

Dressler JL a Gewalttätige Übergriffe auf Rettungskräfte. Zugegriffen: 7. Dressler JL b Gewalt gegen Rettungskräfte.

Die Einsatzkräfte-Nachsorge

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Notarzt 37 03 :1— Download references. Institut für Kriminologie, Universität Heidelberg, Heidelberg, Deutschland. Marleen Gräber M. Internationale Kriminologie. You can also search for this author in PubMed Google Scholar. Correspondence to Marleen Gräber M. Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt.

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Kriminologischer Beitrag | Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie

Reprints and Permissions. Gräber, M. Kriminologischer Beitrag. Forens Psychiatr Psychol Kriminol 16 , 62—65 Download citation. Accepted : 19 November Published : 07 January Issue Date : February Anyone you share the following link with will be able to read this content:. Sorry, a shareable link is not currently available for this article. Provided by the Springer Nature SharedIt content-sharing initiative.

Download PDF. Working on a manuscript? Avoid the common mistakes. Literatur Dressler JL a Gewalttätige Übergriffe auf Rettungskräfte. LIT, Google Scholar Rau M, Leuschner F Gewalterfahrungen von Rettungskräften im Einsatz — Eine Bestandsaufnahme der empirischen Erkenntnisse in Deutschland. NK 30 3 — Article Google Scholar Redaktion Rettungsdienst Schutzwesten und Pfefferspray: Rettungsdienst rüstet auf.

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Gräber und B. Horten geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Rights and permissions Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.