Auslandssemester südamerika psychologie

Report about my semester abroad

Ein halbes Jahr studieren in Peru — ein Auslandssemester mal ganz ohne ERASMUS Frederike Jesse am Februar 5 Antworten Foto Jesse Ja, es geht wirklich! Das Stipendienprogramm PROMOS öffnet einem die Tore zu anderen Kontinenten und wird von vielen Studenten bei der Auslandssemesterplanung übersehen. Da ich Spanisch und Philosophie auf Lehramt studiere, wurde mir schnell klar, dass ein Auslandsaufenthalt im Studium mit eingeplant werden muss.

Doch viele Erfahrungsberichte von ERASMUS-Studenten schreckten mich ab. Das ist bestimmt für ein bis zwei Wochen recht unterhaltsam, aber unter einem Auslandssemester habe ich mir etwas anderes vorgestellt. Ich wollte eine neue Kultur entdecken fernab von Deutschen und meine Sprachkenntnisse verbessern.

Psychologie im Ausland – Socials Abroad

Der Kontakt zu Einheimischen des besuchten Landes war mir sehr wichtig. Ich wollte irgendwo nach Südamerika, mal eine ganz andere Kultur und definitiv keine zahlreichen ERASMUS-Studenten, mit denen man letztendlich sowieso nur Englisch und Deutsch redet. Mit diesen vagen Vorstellungen ging ich enthusiastisch in das International Center der CAU, wo mir schnell deutlich gemacht wurde, dass mein Plan keinesfalls schon ein Plan war.

Die Beraterin betonte nur deutlich, dass ich mich um alles selbst kümmern muss. Ich muss eine Universität finden, die mir bestätigt, dass ich dort studieren darf für 1 Semester, ich musste eine Unterkunft finden, Flüge buchen und natürlich das Stipendium beantragen. Mein Ehrgeiz war aber bereits entfacht, ich wollte unbedingt auf diesen fernen Kontinent!

Also fing ich an, alle möglichen Universitäten anzuschreiben in Venezuela, Bolivien, Peru und Ecuador. Es war aber nicht so einfach, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Auf einmal meldete sich mein Ansprechpartner nicht mehr, und erst nachdem ich allen E-Mail-Adressen, die ich auf der Homepage der Universität gefunden habe, geschrieben hatte, kam endlich die langersehnte Antwort.

Meine Leistungsübersicht und Studienbescheinigung habe ich übersetzen und beglaubigen lassen, und damit bekam ich endlich die Bestätigung von der Universität, dass sie mich für 6 Monate aufnehmen würde, wenn ich natürlich die Studiengebühren zahle. Nachdem das sicher war, habe ich die Unterlagen für den PROMOS-Antrag ausgefüllt, was auch etwas aufwendig war.

Bescheinigung über Sprachkenntnisse, Empfehlungsschreiben von einem Dozenten, Notenübersicht auf Englisch, Motivationsschreiben und natürlich ganz viele Antragsformulare…aber es lohnte sich! Im März sollte es losgehen, und im Oktober kam endlich die schriftliche Zusage, dass ich monatlich Euro überwiesen bekomme und Euro Reisepauschale erhalte.

Mein Unialltag in Costa Rica: Lea im Auslandssemester: AIFS Blog

Mein Kampf hat sich ausgezahlt, und nun musste nur noch eine Unterkunft gefunden werden. Ich hatte aber das Glück, dass mein Vater durch sein Reisebüro eine Peruanerin kannte und sie mir den Kontakt zu ihrer Familie dort vermittelte. Ein älteres peruanisches Ehepaar und ihre jährige Tochter nahmen mich letztendlich für Euro im Monat bei sich auf.

Das Zimmer in Kiel wurde untervermietet, der Flug war gebucht, und nun konnte es endlich losgehen! Ich wurde, wie vorher abgesprochen, vom Flughafen von meiner Gastfamilie abgeholt. Keiner konnte Englisch oder Deutsch, und ich war gezwungen, mich mit meinem Spanisch durchzuschlagen. Die peruanischen Delikatessen waren ein Hochgenuss, und ich schlemmte mich von einer Köstlichkeit zur nächsten.

Ich musste nur dreimal in der Woche abends in die Uni, wo ich Seminare in Philosophie belegt habe. Es war spannend zu sehen, wie hoch angesehen das deutsche Philosophiestudium in Peru ist. Viele Studenten fragten mich danach, wie sie sich in deutschen Universitäten immatrikulieren können. Ich war weit und breit die einzige Deutsche an der kleinen Universidad Antonio Ruiz de Montoya, was mir zu viel Kontakt mit Peruanern verhalf.

In meiner üppigen Freizeit genoss ich, dass Lima direkt am Meer liegt und sich ideal zum Surfen anbietet. Ich ging auf Partys mit Freunden vom Surfen und der Uni, wurde von vielen Familien zu ihren privaten Familienfesten eingeladen und wurde überschüttet mit dem ganzen guten Essen, an dem man zwar hin und wieder auch erkrankte, aber irgendwo muss ein Paradies ja auch seine Macken haben.

Ich wanderte zum weltberühmten Machu Picchu, ging Sandboarding in Ica und machte nebenbei noch mein Grundschulpraktikum in einer nahegelegenen Schule.

Studium im Ausland | Fakultät für Sozialwissenschaften | Universität Mannheim

Meine Gastschwester weihte mich ein in die Geheimnisse einer Drei-Euro-Maniküre, zeigte mir, an welchen Tagen man am günstigsten ins Kino gehen konnte und erklärte mir mit Engelsgeduld, wie ich in diesem Buswirrwarr in Lima auf den richtigen Bus aufspringe, um an mein gewünschtes Ziel zu kommen.

Bei allen Familienessen war ich dabei und wurde sogar mit ins Strandferienhaus der anderen Schwester genommen. Es war ein Erlebnis! Ich habe Peru nach einem halben Jahr mit dem Gefühl verlassen, dass es ein Teil von mir und meiner Lebensanschauung geworden ist. Ich habe Freundschaften geschlossen, die bis heute durch Skype und Mails bestehen.

Es gab Momente, in denen ich mich sehr über das ganze Chaos dort geärgert habe, und es gab Momente, in denen ich zu Tränen gerührt war von der bedingungslosen Gastfreundschaft, die ich dort erleben durfte. Ich fing an, einerseits sehr zu schätzen, wie sicher und behütet man in Deutschland leben kann, ohne die ständige Angst, dass man gleich überfallen wird, aber andererseits begeisterte mich, mit welch einer Selbstverständlichkeit man herzlich aufgenommen wird von fast fremden Menschen und wie wenig Geld mit der Zufriedenheit eines Menschens zu tun hat.

Zuletzt kann man nur sagen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Meine Kurse, die ich in Peru absolviert habe, wurden alle von der CAU angerechnet, was bedeutet, dass ich noch nicht einmal einen Zeitverlust durch das Auslandssemester hatte. Es fordert Einiges an Eigeninitiative, aber letztendlich sind die Mühen vorher nur ein geringer Preis für das, was man in dem halben Jahr an Erfahrungen sammeln darf.

Dieser Beitrag wurde am von Frederike Jesse in Der Hörsaal veröffentlicht. Schlagworte: Auslandssemester , lima , Peru , PROMOS , Reisen , studium , uni. Über Frederike Jesse Frederike Jesse 27 studiert Spanisch und Philosophie auf Lehramt an der CAU Kiel. In ihrer Freizeit reist sie gern und möchte im KN-Collegeblog den Studenten zeigen, wie man auch mit wenig Geld originelle Reisen machen kann.