Edith benkowitsch psychologie
Fachsemester Lehrstuhl für Psychologie I Lehrstuhlinhaber: Prof. Mark W. Greenlee Seminar: Multisensorische Wahrnehmung Seminarleitung: Dr. Tina Plank Fokale Dystonie Verfasserin: Edith Benkowitsch. Einleitung - Kurzfassung neurologischer Grundlagen 2. Neurologie und Musik 3. Fokale Dystonie 3.
Amtsblatt KW: Stadt Filderstadt
Fallbeispiel einer Querflötistin 5. Schlusswort 6. Literaturverzeichnis 7. Abbildungsverzeichnis 2. Einleitung - Kurzfassung neurologischer Grundlagen Nach früherer Überlegung galt die Ansicht, die Gehirnnervenverbindungen würden in der Kindheit geformt und deren Entwicklung abgeschlossen, sodass als einzig unvollständige Komponente des Gehirns das Gedächtnis überblieb.
Fokale Dystonie. Universität Regensburg SS 2014
Gegen Ende des Jahrhunderts wurde dann der Nachweis des sich kontinuierlich umorganisierenden Gehirns gefunden. Dies brachte Erkenntnisse dahingehend, dass die Umstrukturierung von der Beanspruchung der Gehirnareale durch Lernen oder Erfahrungen usw. Die strukturellen Veränderungen wurden fortan als Anpassung an Gegebenheiten und Anforderungen verstanden, die nicht durch genetische Disposition determiniert ist.
Heutzutage kann die sogenannte neuronale Plastizität, also die Veränderbarkeit der Gehirnstruktur, durch verschiedene Mechanismen erklärt werden. Da das Gehirn mitunter aus Neuronen besteht, lässt der Aufbau eines Neurons siehe Abb. Abbildung 1: Aufbau einer Nervenzelle Depositphotos. Die folgende Grafik veranschaulicht das Prinzip siehe Abb.
Die Fähigkeit des Gehirns zur zellulären Umorganisation ist für viele Vorgänge wichtig, vor allem aber für Prozesse nach einer neuronalen Verletzung. Beispiele hierfür zeigen Schlaganfälle, Läsionen, Ektomien, Amputationen etc. Bei diesen klinischen Krankheitsbildern muss geschädigtes Gewebe möglichst wiederhergestellt werden oder es müssen betroffene, gestörte Funktionen von anderen Arealen bestmöglich übernommen werden.
Untersucht man blinde Personen, bei denen der visuelle okzipitale Cortex nicht zum Sehen gebraucht wird, wird erkenntlich, dass dieses Areal vom Körper dahingehend umorganisiert wird auf taktile Stimulation zu reagieren, wie z. Neurologie und Musik Wie bereits erwähnt, stellt neuronale Plastizität eine Anpassung an Umweltbedingungen und deren Anforderungen dar.
Bei einem Musikhochschulstudium mit bis zu 15 Jahren Studiendauer gelten vier bis sechs 4. Hierbei spielen üblicherweise die Hände eine bedeutende Rolle, wobei sie oft sehr schnelle Bewegungsabfolgen und viel kraftvolles Spiel leisten müssen. Training führt zu Wachstum, Vernachlässigung zum Absterben von Verbindungen. In der Neurologie gibt es zahlreiche funktionelle und strukturelle Bildgebungsverfahren, mithilfe derer man die Gehirnareale spezifisch genauer untersuchen kann.
So wird bei Musikern im Vergleich zu Nichtmusikern sichtbar, dass Bereiche wie beispielsweise das Planum temporale, das anteriore Corpus Callosum, der primärmotorische Cortex und das Cerebellum hinsichtlich des Volumens stärker ausgeprägt sind. Dies gilt besonders für das Instrument, das die betreffende Person als Hauptinstrument gewählt hat, trifft aber ebenfalls für alle Musiker in Gegenüberstellung mit Nichtmusikern zu.
Eine gut trainierte, gezielte Koordination und stereotyp-eingeübte Bewegungen der Hände sind häufig Voraussetzung für den erfolgreichen Beruf als Musiker. Ein Pianist beispielsweise muss zweihändig bis zu Noten pro Minute produzieren, die mit unterschiedlicher zum Teil hoher Muskelkraft und Geschwindigkeit gespielt werden müssen siehe Abb. Abbildung 3: Notenbeispiel Depositphotos.
Bei Musikern, die unter fokaler Dystonie leiden, sind Veränderungen in der Organisation des somatosensorischen Cortex beobachtbar. Betrachtet man den Homunculus siehe Abb. Bei den Händen hat nicht nur die Hand als Ganzes eine zugeordnete Fläche, sondern auch die einzelnen 6. Wird also der Zeigefinger bewegt, so lässt sich im zugeordneten Bereich eine Aktivität funktionell - strukturell darstellen.
Wird die Bewegung wieder beendet, so endet auch die Aktivierung des entsprechenden Bereichs im Gehirn. Bei Koordination zweier Finger, beispielsweise beim Spielen eines Akkords, werden somit auch beide zugeordneten Bereiche parallel aktiviert usw. Den Grund hierfür bildet die anfänglich erklärte neuronale Veränderbarkeit des Gehirns.
Im Sinne der Hebb schen Plastizität rücken die zugeordneten Areale näher zusammen, werden stärker verknüpft und werden somit zunehmend durch benachbarte Gebiete mitaktiviert. Diese Plastizität, die wie anfänglich erklärt viele gute Wirkungen haben kann, dient hier eher als schlechte Veränderung maladaptive plasticity.
Als Musiker mit spezifisch gewollter Abfolge von Fingerbewegungen ist ein solches Massenmuster an Fingeraktivität hinderlich Seidel et al. Homunculus Depositphotos. Die erste logische Folge für die Betroffenen scheint, diesen Abschnitt vermehrt zu üben. Das intensive Auseinandersetzen kann problemlösend wirken, sodass auch diese Stelle von den Musikern und Musikerinnen danach beherrscht wird.
Bei dieser Behandlung werden Fitnessübungen mit sensorisch diskriminativem Training kombiniert, um sensorische Prozesse und motorische Kontrolle zu verbessern. Sensorische Diskrimination bedeutet eine Immobilisierung der nichtdystonen Finger in ruhender Position mit Schienen, und gleichzeitig systematisches Training bezüglich Kraft, Tempo, Körperwahrnehmung z.
Bei erfolgreicher Therapie ist nach dem Treatment die kontralaterale Hemisphäre zur dystonen Hand zu normaler Repräsentation rückgebildet Candia et al. Auch möglich ist die Gabe von Botulinum-Toxin A, was die hyperaktive Muskulatur reversibel schwächt und im geschwächten Zustand die Massenaktivität der Finger überwunden werden kann Seidel et al.
Zusätzlich je nach Auslöser, Verlauf, Schweregrad etc. Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist das anfängliche Festlegen eines individuellen Ziels auf einen realistischen Zeitraum Seidel et al. In der Gruppe befanden sich acht Männer und zwei Frauen, wobei alle Versuchspersonen rechtshändig waren und alle unter unilateraler fokaler Dystonie litten.
Als Voraussetzung bei der Untersuchung galten keinerlei andere neurologische Anzeichen aufzuweisen, sowie keine dauerhafte Medikamenteneinnahme. Der Therapiezeitraum belief sich auf acht Tage, an denen in zehnminütigen SMR-Trainings-Intervallen für je eineinhalb bis zweieinhalb Stunden pro Tag behandelt wurde.
Als Ergebnisse zeigten sich sowohl subjektive Besserung als auch ein kortikaler Reorganisationsnachweis. Als weiterer negativer Punkt erstreckte sich die Untersuchung über einen Zeitraum von nur acht Tagen, wodurch die Interpretation der Ergebnisse somit lediglich für den Kurzzeitraum gilt, nicht aber für die Stabilität über lange Zeit Candia et al.
Grenzen der Therapie: Bei Bläsern ist mittels SMR teils kein Therapieerfolg möglich. Eventuell spielt hier die Hand-Mund-Koordination eine Rolle, welche über 9. Das Training müsste dies berücksichtigen und sowohl Hände als auch Mund als auch die Koordination derer ansprechen. Fallbeispiel einer Querflötistin Eine jährige Frau studierte an der Musikschule Weimar Querflöte und bildete im dritten Studiensemester eine Dystonie des dritten und vierten Fingers der rechten Hand aus Seidel et al.
Dies führte jedoch zu einer Verschlechterung der Dystonie. Der Musikschuldirektor hatte ihr vor kurzem zu einer Umorientierung geraten, wodurch sie zusätzlich Musikpädagogik belegt hatte und der Stress gestiegen war. Die Diagnostik der jungen Frau erfolgte am Instrument beim Spiel und in der gewöhnlichen Haltung, sowie mit mentaler Belastung, sensorischer Irritation etc.
Als Therapie folgten die ergonomische Anpassung der Klappen des Instruments, Techniken zur Entspannung und Angstkontrolle vor schwierigen Notenstellen und vor dem Gebrauch der betroffenen Finger, sowie Konzepte zur Verbesserung von Sensibilität, Feinkoordination und Kraftdifferenzierung insbesondere im Hand- und Unterarmbereich. Forschungsbestandteil des Fallbeispiels: Ein in der Forschung bisher fragliches Detail war die Angabe der Querflötistin sich mit 19 Jahren eine Fraktur des rechten dritten Fingers zugezogen zu haben.
Auch wenn diese Fraktur nach eigenen Hierbei könnte weniger die Art, als vielmehr die Lokalisation der Verletzung in die Dystonieanfälligkeit einspielen Seidel et al. Schlusswort Die reine Reduktion der fokalen Dystonie auf eine psychische Komponente wie in den er Jahren ist zwar unzureichend, es haben sich jedoch beim Vergleich von gesunden zu dystonen Musikern signifikante Unterschiede in Emotionalität und Angststörungsanfälligkeit gezeigt.
Die unter Dystonie erkrankten Personen wiesen dabei häufig perfektionistische Züge und erhöhte Kontrollüberzeugungen auf. Ebenso ist eine Familienanamnese aufschlussreich, da sogenannte Dystoniker-Familien existieren und für Untergruppen ein autosomal dominanter Erbgang vermutet wird Seidel et al.
Literaturverzeichnis Altenmüller, E. Focal Dystonia in Musicians. Med Probl Perform Art, Candia, V. Effective behavioral treatment of focal hand dystonia in musicians alters somatosensory cortical organization. Proceedings of the National Academy of Sciences, 13 , Elbert, T. Kortikale Reorganisation pp. Springer Berlin Heidelberg. Giorelli, M.
Hairdresser s Dystonia: Occupational Dystonia. Tremor and Other Hyperkinetic Movements, 3. An Unusual Hebb, D. Münte, T. The musician's brain as a model of neuroplasticity. Nature Reviews Neuroscience, 3 6 , Seidel, E. Fokale Dystonie bei einer 21jährigen Querflötistin: Diagnostik. Therapie, Rehabilitation Fallstudie. Musikphysiologie und Musikermedizin, 9 2 , Song, I.
Task-specific focal hand dystonia with usage of a spoon. Seidel, A. Fischer, E. Loosch, E. Altenmüller, E. Lange 1. Einleitung Unter fokalen Dystonien wörtlich übersetzt:. Eckart Altenmüller Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover www. Neurokognitive Rehabilitation Information für Patienten VF CR Verein für kognitive Rehabilitation Wer ist Prof.