Psychologie stadtplanung
Um über den öffentlichen Raum zu sprechen, muss diese Begrifflichkeit zunächst genauer definiert werden. Der öffentliche Raum ist ein Freiraum für die Bevölkerung, der ohne Einschränkung von jedem Bewohner oder Besucher genutzt werden kann.
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Dies umfasst Grün- und Parkanlagen ebenso wie Verkehrsflächen und teilweise auch öffentliche Gebäude. Die Flächen werden von der jeweiligen Stadt oder Gemeinde geschaffen, bewirtschaftet und sind frei für die Bevölkerung zugänglich. Der öffentliche Raum ist nicht nur auf Städte beschränkt, sondern auch in ländlichen Gegenden vorhanden, allgemein wird die Begrifflichkeit allerdings hauptsächlich in Bezug zu urbanen Regionen gesetzt.
Der öffentliche Raum ist ein grundlegendes Element der Stadtplanung und trägt erheblich zu einer hohen Lebensqualität in den Städten bei. Durch ein attraktives Stadtbild und zahlreiche Freiräume werden gut ausgebildete Fachkräfte und junge Familien in die urbanen Gebiete gelockt, was für die Stadtentwicklung von zentraler Bedeutung ist.
Ausgebildete Arbeitnehmer locken wiederum potenzielle Investoren an, wovon einerseits die Stadt selbst profitiert, durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze andererseits die Bevölkerung. Da die Stadtbevölkerung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich wächst, steigt auch die Bedeutung des öffentlichen Raumes immer stärker an, während freie Flächen durch eine starke Bebauung zur Mangelware werden.
Dies führt bei der Stadtplanung in Kombination mit anderen Entwicklungen zu zunehmenden Herausforderungen. Ein öffentlicher Raum allein ist allerdings nicht gleich ein guter öffentlicher Raum. Das Project for Public Spaces PPS hat Qualitätsfaktoren für den öffentlichen Raum ausfindig gemacht. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem die Erreichbarkeit und Zugänglichkeit der öffentlichen Räume.
Ein weiterer Faktor ist der Komfort und die Gestaltung des jeweiligen Platzes. Der öffentliche Raum muss Sitzgelegenheiten bieten, sauber sein und andere Annehmlichkeiten wie öffentlich zugängliche Toiletten, eine angemessene Beleuchtung oder Begrünung sowie eine ausreichende Anzahl an Abfallbehältern bereithalten, um als besonders hochwertig zu gelten.
Ein anderer wichtiger Punkt ist die Nutzbarkeit der Flächen. Nur wenn ein Grund für die Bevölkerung besteht, den öffentlichen Raum zu nutzen, erfüllt dieser seinen Zweck. Spielplätze, Veranstaltungsflächen, Sportplätze oder andere Aktivitäten müssen bei der Planung öffentlicher Flächen bedacht werden. Eine reine Grünfläche wird nur wenige Menschen anlocken, wenn keine Aktivitäten und kein Komfort geboten sind.
In diesem Zusammenhang spielt auch der letzte Faktor eine Rolle, den das Project für Public Spaces in seinen Ausführungen nennt: Öffentliche Räume sind ein Treffpunkt für die Gemeinschaft. Dort kommt die Bevölkerung einer Stadt zusammen, trifft Freunde und Nachbarn und bildet ein Gemeinschaftsgefühl heraus, das die Lebensqualität deutlich steigert.
Eine Herausforderung für die Stadtplanung ist neben wenig verfügbaren Freiflächen das sogenannte Littering. Laut einer Studie der Berliner Humboldt Universität werden Städte wie Köln oder Berlin in den vergangenen Jahren zwar als deutlich sauberer bewertet, als noch vor einem Jahrzehnt. Dennoch bleiben zahlreiche Sauberkeitsmängel bestehen. Diese beziehen sich unter anderem auf Müll durch Verpackungen, Zigarettenkippen sowie Scherben, die hauptsächlich in ohnehin stark verschmutzten Gegenden auftreten.
Der öffentliche Raum ist davon besonders betroffen. Einerseits müssen hier die Bevölkerung selbst sowie unter Umständen die zuständigen Reinigungsunternehmen zur Verantwortung gezogen werden. Andererseits kann auch die Stadtplanung einen wertvollen Beitrag zur Verringerung der Vermüllung beitragen und so lebenswerte öffentliche Räume schaffen. Dies wird vor allem anhand der sogenannten Broken-Windows-Theorie deutlich.
Die Broken-Windows-Theorie besagt, dass die Hemmschwelle für Sachbeschädigungen bei bereits beschädigten Objekten deutlich abnimmt. Dieser Ansatz lässt sich auch auf Verschmutzungsbrennpunkte in den Städten übertragen. Wird der öffentliche Raum als schmutzig oder verwahrlost wahrgenommen, sinkt die Hemmschwelle der Bevölkerung bezüglich einer weiteren Verschmutzung und Zerstörung.
Hier sind Stadtplaner gefragt, die bei der Planung möglichen Vandalismus im Auge behalten sollten. Möglich ist hier beispielsweise die Nutzung robuster Materialien oder der Einsatz eines Fundamentes , um das Stadtmobiliar vor Gewalteinwirkungen zu schützen. Der öffentliche Raum birgt so weniger Gefahren für die Bevölkerung, da weniger zerstörte Objekte und weniger potenziell gefährlicher Müll wie Scherben in den Gegenden zu finden sind.
Fast unabhängig von den oben genannten Kriterien, wird allerdings der Klimawandel in den kommenden Jahren vermutlich die deutlichste Auswirkung auf die Gestaltung des öffentlichen Raumes nehmen. Stadtplaner sehen sich immer öfter mit extremen Wettersituationen konfrontiert, die sich negativ auf die Lebensqualität in den Städten auswirken.
Um die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren, müssen neue Konzepte für den öffentlichen Raum umgesetzt werden, die häufig hohe Kosten nach sich ziehen. Eine weitere Herausforderung für den modernen Städteplaner. Einerseits verursacht der Klimawandel steigende Temperaturen, was vor allem in dicht bebauten Gegenden zu Problemen führt.
Verdichtete und versiegelte Flächen weisen meist eine geringe Begrünung auf und sind mit wenig Baumbestand ausgestattet. Dies führt in Kombination mit zahlreichen Asphaltflächen zu stark aufgeheizten Innenstädten, die sich durch städtische Wärmeinseln auch nachts kaum abkühlen.
Stadtplanung
In Gegenden, die mit Hitze zu kämpfen haben, werden daher beispielsweise Frischluftschneisen geschaffen, um eine gewisse Kühlung zu erreichen. Ausgiebigere Grünflächen wie öffentliche Parkanlagen, ein höherer Baumbestand und Wasseranlagen innerhalb der Städte tragen ebenfalls zu geringeren Temperaturen und erträglicheren Bedingungen für die Bevölkerung bei und können zu einer Aufwertung des öffentlichen Raums beitragen.
Neben steigenden Temperaturen werden auch extreme Wetterlagen durch Unwetter, Sturmböen oder Hochwasser immer wieder zum Problem für urbane Gebiete. Bei starkem Regen kann das Wasser in versiegelten Böden nicht oder nur schwer versickern, wodurch es zu Überschwemmungen kommt. Daher empfiehlt sich auch in diesen Fällen häufig die Schaffung neuer Grünflächen, die gleichzeitig als öffentliche Räume nutzbar gemacht werden.
Dadurch werden nicht nur die Folgen des Klimawandels gemindert, sondern im besten Fall ein zusätzliches Stück Lebensqualität geschaffen. Zusammengefasst muss sich die Stadtplanung in den kommenden Jahrzehnten verschiedenen Herausforderung stellen, die nicht nur hohe Kosten nach sich ziehen, sondern auch die gelungene Gestaltung des öffentlichen Raums deutlich erschweren.
Durch die hohe Anzahl neuer Stadtbewohner wird der verfügbare Wohnraum in Zukunft noch knapper, wodurch die verfügbaren Freiflächen in einer Stadt ebenfalls weniger werden. Um sich gegen extreme Wettersituationen zu wappnen, wären aber gerade diese Freiflächen dringend notwendig. Sonderpublikation in Zusammenarbeit mit der Baden-Württemberg Stiftung Jetzt ist morgen Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten.
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Stadtplanung – Architekturkognition und Umweltpsychologie
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Foto: Fotolia. Laut einer Prognose der Vereinten Nationen zieht es bis zum Jahr rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städte. Schon heute macht die Stadtbevölkerung rund 55 Prozent der gesamten Bevölkerung aus — und diese Zahl wird in den kommenden Jahren vermutlich noch deutlich steigen. Diese Urbanisierung macht eine durchdachte Stadtplanung hinsichtlich der Gestaltung öffentlicher Räume notwendig.
Doch diese sieht sich in den kommenden Jahren mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Zurück zur Startseite. Weitere Artikel aus der Redaktion. Gesellschaft Psychologie Frauen und Männer sind unterschiedlich gestresst. Newsletter abonnieren. Menschen oder Affen: Wer ist neugieriger? Wie viele Ameisen gibt es auf unserem Planeten?
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