Ambivalenzkonflikt psychologie
Jeder von uns kennt Emotionen wie Hassliebe oder eine sogenannte Sowohl-als-auch-Einstellung — also gegensätzliche Wertungen ein und derselben Situation oder Person. Die Psychologie beschreibt solche Gefühle und Verhaltensweisen als Ambivalenz. Gemeint ist in der Regel eine Person, die durch widersprüchliches Verhalten und Ungereimtheiten im Wesen auffällt.
Denn ambivalentes Verhalten ist nicht unbedingt harmlos, sondern kann durchaus problematisch werden — und zwar sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Was ist Ambivalenz? Wer von Ambivalenz betroffen ist, schwankt also — wortwörtlich betrachtet — zwischen zwei Gefühlszuständen bzw. Verhaltensweisen, die für ihn beide gleich viel wert sind. Wir können Ambivalenz also als einen Zustand der psychischen Zerrissenheit bezeichnen.
Der Schweizer Psychiater Paul Eugen Bleuler — , der sich viel mit der Entstehung und Behandlung psychischer Krankheiten beschäftigte, hat auch das Thema Ambivalenz ausführlich untersucht. Er sah in ambivalentem Verhalten den Auslöser für zahlreiche psychische Störungen und Erkrankungen, wie beispielsweise Autismus und Schizophrenie. Einen ambivalenten Menschen erkennt man vor allem daran, dass er sich widersprüchlich verhält und uneins mit sich selbst wirkt.
Nun ist nicht jede Stimmungsschwankung und jede Meinungsänderung eine krankhafte Ambivalenz, die therapiert werden muss. Allerdings kann die Lebensqualität schon ganz schön in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn jemand sich nie entscheiden kann. In ganz schweren Fällen kann eine Ambivalenz tatsächlich in einer Depression oder Schizophrenie enden.
Psychologie-Fachgebärdenlexikon: Ambivalenz
Entscheidungsunfähigkeit durch Ambivalenz — was hilft? Das gilt sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich. Studiere ich Deutsch und Geschichte auf Lehramt, werde ich nie erfahren, ob ich nicht vielleicht eine gute Ärztin oder Künstlerin hätte werden können. Gehe ich eine Beziehung ein, muss ich die Vorteile des Single-Lebens aufgeben. Was ist richtig, was ist falsch?
Allen, die sich schwer tun, eine Entscheidung zu treffen, möchte ich zunächst sagen: Eine innere Zerrissenheit ist bei wichtigen Entscheidungen völlig normal und darf zugelassen werden. Sie benötigen für diese Technik in der Tat zwei Stühle. Es können auch mehr als zwei sein, sollten Sie mehr als zwei Entscheidungsoptionen haben.
Formulieren Sie möglichst genau Ihr Anliegen und die Alternativen, zwischen denen Sie sich entscheiden müssen. In dieser Situation wird Ihnen ein neuer Job angeboten. Einerseits haben Sie Lust auf einen Neuanfang, andererseits Angst davor. Der aktuelle Job ist ja zu — sagen wir — 70 Prozent okay, er ist sicher, und Sie haben sich über Jahre hinweg eingearbeitet.
Was, wenn es im neuen Job auch Dinge gibt, die Sie stören und die gibt es ganz sicher! Was, wenn Sie die Probezeit nicht bestehen und am Ende ganz ohne Job dastehen? Wie also entscheiden? Stellen Sie sich vor, dass die Anteile in Ihnen, die im aktuellen Job bleiben möchten, Ihr Bestes wollen. Springen Sie in Gedanken fünf Jahre, zehn Jahre in die Zukunft.
Stellen Sie sich detailliert vor, wie ihr Leben aussehen wird, wenn Sie in ihrem jetzigen Job bleiben.
BR-Navigation
Welche Personen sehen Sie, welche Orte? Was für Gedanken, was für körperliche Empfindungen werden ausgelöst? Bereitet Ihnen die Vorstellung eher Freude oder Bedrückung? Wiederholen Sie das Procedere — mit genau dem gleichen Gedanken, nämlich, dass Ihre Anteile, die für den Jobwechsel plädieren, ebenfalls nur Ihr Bestes wollen. Blicken Sie aus einer gewissen Distanz auf beide Stühle.
Welcher der beiden zieht Sie instinktiv stärker an? Welcher löst eher Unbehagen, welcher löst Freude aus? Diese Technik wird Ihnen — wenn Sie sie ein paarmal geübt haben — ganz sicher helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen! Bildnachweis: Kathrin Stavenhagen. Links Über die Praxis Kontakt Datenschutz Impressum Allgemeine Geschäftsbedingungen Widerrufsbelehrung.